Mit der Einführung der neuen MidAm-50+-Kategorie wurde das letztjährige Team aufgeteilt. Vom bisherigen Kader blieben nur vier Spieler unter 50 Jahren übrig: Niels, Dario, Nicole und Elina. Für mich bedeutete das nicht nur die Übernahme des Captain-Amts, sondern auch die Herausforderung, ein komplett neues Team zusammenzustellen.

Zum Glück fanden sich schnell motivierte Teamkollegen, die Lust auf dieses Abenteuer hatten. Nach einem gemeinsamen Trainingssonntag und einem auf Matchplay fokussierten Regelkurs (herzlichen Dank an Martin Sullivan) waren unsere Neuzugänge bereit für ihre erste MidAm-Erfahrung.

Dann war es soweit: Saisonstart zuhause gegen Lenzerheide.

Schon vor dem ersten Abschlag war klar, dass uns eine schwierige Aufgabe bevorstand. Unsere Gäste reisten, wie sie selbst im schönsten Bündner Dialekt sagten, mit ihrem „A-Team“ an. Zwei Spieler mit Handicap 1.0 und ein weiterer mit 5.8 unterstrichen die Ausgangslage deutlich. Das Team-Handicap sprach mit 44.7 zu 52.1 ebenfalls für die Gäste. Aber: Handicap ist bekanntlich nicht alles.

Nach Kaffee, Gipfeli und einem herzlichen Kennenlernen ging es um 08:00 Uhr in die Foursomes. Unsere beiden Namensvetter Marco und Marko legten stark los und holten den ersten Punkt bereits am 16. Loch. Kurz darauf machten Sascha und ich ebenfalls den Sack am 16. Loch zu. Zwei Punkte auf unserem Konto – ein Traumstart.

Doch die Geschichte des Vormittags schrieben Niels und Michi. Für Michi war es ebenfalls das erste MidAm-Spiel überhaupt – und das gleich gegen zwei Handicap-1-Spieler. Als Captain warf ich immer wieder einen Blick auf ihren Flight und fragte mich: Wie lange können sie dagegenhalten? Auf Loch 14 zeigte mir Niels plötzlich das Handzeichen für „All Square“. Unglaublich! Die Partie blieb bis zum letzten Putt auf Loch 18 offen und endete tatsächlich unentschieden. Mit einer 2.5:0.5-Führung ging es in die Mittagspause.

Ein grosses Dankeschön an dieser Stelle an das Team des Restaurants Oase, das uns und unsere Gäste hervorragend verpflegte.

Mit Rückenwind starteten wir in die Einzel. Uns fehlten lediglich 2.5 Punkte zum Heimsieg.

Sascha hatte bereits am Morgen eine klare Ansage gemacht: «Wenn ich mein Einzel schon am Loch 12 gewinne, springe ich in den Tümpel.» Meine Antwort als Captain: «Nimm wenigstens den Bach – der ist sauberer.» Golf wäre nicht Golf, wenn solche Aussagen plötzlich realistischer würden, als einem lieb ist.

Sascha dominierte seinen Gegner von Beginn weg und lag nach acht Löchern bereits 8 Up. Nach einem Gewitterunterbruch gab sein Gegner das Match auf – der erste Einzelpunkt war im Trockenen. Oder eben doch nicht. Sascha hielt Wort und lieferte den Beweis, dass Matchplay-Schulden Ehrenschulden sind: Sascha, du bist ein Ehrenmann.

Leider drehte sich danach das Blatt. Ich selbst musste mich meinem starken Gegner am 13. Loch geschlagen geben. Kurz darauf verloren auch Marco und Marko ihre Matches. Michi hingegen spielte souverän auf und sicherte uns mit einem Sieg am 17. Loch einen weiteren wichtigen Punkt.

Plötzlich stand es 4.5:3.5 für Oberkirch – und alle Augen richteten sich auf Niels.

Wie schon am Vormittag entwickelte sich sein Match zu einem Krimi. Er kämpfte sich von 4 Down zurück auf All Square und liess nichts unversucht. Sogar ein Schlag aus dem Wasser heraus musste herhalten, um das Match noch zu drehen. Doch am Ende fehlte das letzte Quäntchen Glück. Niederlage auf Loch 18.

4.5:4.5 – Stechen.

Für uns trat Niels nochmals an, für Lenzerheide einer ihrer Topspieler. Beide lieferten sich einen grossartigen Kampf. Am Ende entschied ein Par gegen unser Bogey das Duell zugunsten der Gäste.

Die zwei Matchpunkte gingen nach Lenzerheide, doch dank des Gesamt-Unentschiedens über alle neun Partien blieb auch uns ein wichtiger Punkt.

Und genau dieser Punkt fühlt sich an wie deutlich mehr.

Gegen ein nominell stärkeres Team bis ins Stechen zu kommen, zeigt, was in dieser Mannschaft steckt. Unsere Neuzugänge erlebten bei ihrer Premiere alles, was Matchplay ausmacht: Emotionen, Höhen und Tiefen, Nervenkitzel bis zum letzten Schlag und schliesslich sogar ein Stechen.

Die Stimmung im Team war überragend. Motivation, Fairplay und gegenseitige Unterstützung waren während des ganzen Tages spürbar. Genau dieser Zusammenhalt hat uns gegen einen nominell stärkeren Gegner bis ins Stechen getragen.

Ein herzliches Dankeschön geht auch an unsere Unterstützer im Hintergrund. Nicole, Sandro und Ron begleiteten uns ab Loch 14 vor Ort und sorgten für zusätzliche Motivation. Ebenso bedanken wir uns beim Golfpark für die tolle Organisation, bei Brigitte für ihren ausserordentlichen Einsatz rund um das Resultatblatt sowie bei Alain, der uns als Ranger den ganzen Tag hervorragend unterstützte.

Die Feuertaufe ist bestanden – mit Mut, Teamgeist und einem Krimi bis ins Stechen. Als Captain könnte ich nicht stolzer auf diese Mannschaft sein.

Für Oberkirch spielten (v.r.n.l.): Marko Radonov, Niels Liebi, Elina Esau, Sascha Vogel, Marco Stocker, Michael Grob