Es spielten: v.l.n.r. Alexis Joannou (Captain), Daniel Liniger, Cornel Merki, Elmar Fontana, Patrik Lindegger und René Rust
Der Spitzenkampf wurde zum wahren Titanenkampf
Es hatte sich schon länger abgezeichnet: Die Begegnung gegen St. Apollinaire würde wohl zum grossen Showdown der MidamS-Serie werden. Beide Teams waren bis dahin ohne Punktverlust durch die Saison marschiert und hatten ihre Gegner teilweise regelrecht vom Platz gefegt. Nun also das direkte Duell – punktegleich Erster gegen Zweiter, oder besser gesagt: zwei Teams, die beide der Meinung waren, dass ihnen der Gruppensieg ganz gut stehen würde.
Bereits am Freitag konnten wir in der Golfbox einen Blick auf die Aufstellung von St. Apollinaire werfen. Sie hatten tatsächlich das auf dem Papier bestmögliche Team aufgeboten. Wir hielten natürlich dagegen und schickten ebenfalls eine unserer stärksten Kombinationen ins Rennen. Uns war allerdings klar: Vorne würde es brutal schwierig werden. Elmi und Dänu mussten gegen Handicapper mit 0.7 und 2.5 antreten – unsere beiden «Opferlämmer» waren also strategisch schon mal identifiziert. 😜 Hinten mussten die Punkte her, wenn wir überhaupt von einem Sieg träumen wollten.
Der Platz – trocken, hart und gnadenlos
Frohen Mutes trafen wir uns am Samstagnachmittag zur Proberunde. Der «Tree Garden»-Platz präsentierte sich knochentrocken, während die Greens butterweich waren. Eine Kombination, die vor allem zwei Dinge verlangte: Längenkontrolle und Präzision.
Die Bälle rollten und rollten und rollten. René demonstrierte dies eindrücklich auf einem bergab führenden Par 5: Mit seinem Driving Iron beförderte er den Ball knapp 400 Meter 😳 weit – bis kurz vor den See. Den anschliessenden Eagle-Put lochte er natürlich völlig souverän ein 💪🏻.
Die Front- und Backnine könnten unterschiedlicher kaum sein. Wer nach den ersten neun Löchern dachte, der Platz sei ja eigentlich ganz nett und machbar, bekam auf den zweiten neun die Quittung. Enge Waldschneisen wechselten sich mit langen, schmalen «Skipisten» ab, die scheinbar nur eine Richtung kannten: nach oben.
Und wer es bis zur 18 geschafft hatte, durfte sich noch einmal richtig freuen: lang, eng und dann ein abfallendes Green. Ein würdiger Schluss für einen Platz, der einem wirklich keine Geschenke machte.
Wir waren gewarnt.
Sonntagmorgen: Der erste Schlagabtausch
Mit einer gehörigen Portion Respekt, aber auch viel Vertrauen in die eigenen Stärken, ging es am Sonntagmorgen los.
Alexis und Cornel bekamen es mit den beiden Ladies des Heimteams zu tun. Schnell war klar: Fehler waren verboten. Ohne grobe Schnitzer lagen sie nach der 4, und 2 Birdies der Gegnerinnen, bereits drei Löcher zurück. Doch die beiden kämpften sich Loch für Loch zurück und waren am Abschlag der 15 plötzlich wieder all square. Dann kam die «obere Ebene» – und wurde ihnen zum Verhängnis. Die Partie ging am Ende 2&1 an St. Apollinaire.
Unser zweites Team mit René und Dänu kämpfte dagegen von Anfang an fantastisch. Die Zwischenmeldungen von José, unserem hochmotivierten On-Course-Kommentator, liessen immer wieder hoffen, dass diese Partie in unsere Richtung laufen könnte. Und tatsächlich: René und Dänu liessen nichts anbrennen und holten mit einem 2&1 den ersten Punkt für uns.
Nun war noch unser «Opfer-Flight» unterwegs. Wir waren uns im Vorfeld ziemlich einig gewesen, dass Elmi und Patrick gegen ihre Gegner kaum eine Chance haben würden. Entsprechend konnten die beiden eigentlich nur gewinnen – zumindest psychologisch. Und genau das taten sie auch. Sie hielten die Partie jederzeit offen und plötzlich waren die Hoffnungen auf eine kleine Sensation durchaus berechtigt. Beide Ausgänge schienen möglich. Leider zeigte sich am Ende die Erfahrung des Heimteams. Auch diese Partie ging mit 2&1 an St. Apollinaire.
Zwischenstand nach den Foursomes: 2:1 für die Gastgeber.
Immerhin: Ein hervorragendes Mittagessen wartete auf uns. Man könnte also sagen, St. Apollinaire führte auf dem Platz, punktete aber auch neben dem Platz bereits kräftig. 😉
Nachmittag: Jetzt wurde es richtig spannend
Alexis startete gegen Urs – den «Fehlerlosen». Seinen einzigen Fehler machte Urs gleich am ersten Abschlag, als er den Ball ins Wasser drosch. Danach war allerdings Schluss mit Geschenken. Alexis gab alles, kämpfte grossartig und hielt die Partie lange offen. Am Ende musste er sich erst am letzten Loch geschlagen geben.
Cornel bekam es mit Silvia zu tun. Auch hier war schnell klar: Eigenfehler würden gnadenlos bestraft. Ein paar Ungenauigkeiten reichten, und schon lag er drei Löcher zurück. Doch Aufgeben war keine Option.
Mit dem letzten Willen und mental mittlerweile irgendwo zwischen «voll fokussiert» und «komplett leer» startete Cornel die Aufholjagd. Auf den letzten vier Löchern gelang tatsächlich die Wende – und mit einem gewonnenen 18. Loch holte er den Punkt noch nach Hause.
Von den anderen Flights kamen derweil ständig neue Zwischenmeldungen. Alle Partien waren eng. Es gab weiterhin Hoffnung.
Die Entscheidung rückte näher
Im zweiten Flight traten Patrik und René gegen Brigitte, die Captain des Heimteams, und Marco an. Auch hier galt: Fehler machen gegen das Heimteam war verboten, da diese den Platz natürlich bestens kannten. Obwohl die trockenen Fairways auch für sie deutlich länger spielten, wussten sie genau, wo die heiklen Stellen lauerten – und umgingen diese mit beeindruckender Routine.
Patrick biss sich trotz guten Spiels die Zähne aus und musste sich 3&2 geschlagen geben.
René kam dormi auf die letzten drei Löcher. Eigentlich war die Partie damit fast durch. Doch René wäre nicht René, wenn er nicht nochmals alles ausgepackt hätte. Mit einer sensationellen Aufholjagd holte er tatsächlich noch einen halben Punkt. Das Unmögliche schien plötzlich wieder möglich, denn wir hatten ja noch unsere Bank.
Dänu – unsere Versicherung
Dänu war auch am Nachmittag unser Mann für die schwierigen Fälle. Wie schon am Morgen spielte er mit stoischer Ruhe sein Spiel herunter und liess sich vom Handicap-Nachteil überhaupt nicht beeindrucken. Sein Gegner war auf dem Papier deutlich stärker, auf dem Platz allerdings nicht. Dänu spielte seine Stärken konsequent aus, machte kaum Fehler und gewann souverän 3&2. Plötzlich war wieder alles offen.
Und dann kam Elmi
Blieb also noch unser «Opfer-Lamm» Elmi. Doch wer Elmi im Vorfeld schon abgeschrieben hatte, hatte die Rechnung ohne ihn gemacht. Er gab alles, hielt die Partie jederzeit offen und zwang Florian – immerhin Handicap 0.7 – dazu, sein bestes Golf auszupacken. Florian musste tatsächlich bis zum Schluss kämpfen und brachte seinen knappen Vorsprung mit 2&1 über die Ziellinie.
Damit war es besiegelt: St. Apollinaire gewinnt mit 5½ : 3½.
Ein würdiger Spitzenkampf
Das Resultat widerspiegelt wohl ziemlich genau diese bisherige Saison: Zwei Teams marschierten vorneweg, lieferten sich über die ganze Saison ein Kopf-an-Kopf-Rennen – und am Ende könnte vielleicht tatsächlich der Heimvorteil den entscheidenden Unterschied gemacht haben. Wir waren uns nach dem Spiel jedenfalls alle einig: Das war ein Spitzenkampf, wie man ihn sich wünscht. Hart umkämpft, fair, spannend bis zum letzten Loch – und jederzeit hätte das Pendel auch auf unsere Seite ausschlagen können.
St. Apollinaire verwöhnte uns anschliessend bis spät am Abend noch mit einem grossartigen Apéro Riche. Auf dem Platz waren sie harte Gegner, neben dem Platz hervorragende Gastgeber. Genau so soll es sein.
Das Wochenende hat richtig Spass gemacht. Jeder hat sein Bestes gegeben und wir mussten uns am Ende einem wahren Champions-Team beugen.
Danke an St. Apollinaire für dieses fantastische und eindrückliche Wochenende!
Ein ganz besonderer Dank geht natürlich auch an unseren Captain, der das gesamte Wochenende hervorragend organisiert und uns perfekt auf diesen Spitzenkampf eingestellt hat. Leider wurde er auf dem Platz für sein tolles Spiel am Ende knapp nicht belohnt.
Die Hoffnung lebt
St. Apollinaire hat nun noch ein Heimspiel gegen Aaretal (welches wir übrigens in der Zwischenzeit und ohne Matchbericht hoch geschlagen haben) vor sich. Unser nächstes – und letztes – Spiel findet in zwei Wochen auf dem Golf de Bâle statt.
Wir werden noch einmal alles in die Waagschale werfen. Denn wer weiss: Vielleicht gönnt sich St. Apollinaire ja noch einen kleinen Ausrutscher. Und dann wären wir zur Stelle.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – und im Golf sowieso erst nach dem letzten Putt. 🏌️♂️






